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Transalp // Contact

Auch die zweite Nacht erwies sich als ‘frisch’, aber weitaus stressiger als unser Lager zuvor. Trotz der Investition in den Kälteschutz und der Tatsache, dass wir jeden verfügbaren Fetzen überzogen, wurde der Schlaf am frühen Morgen unruhig. Die 2.300m über dem Meeresspiegel sind auch im Hochsommer nicht zu unterschätzen.

Als äußerst kontaktfreudig erwiesen sich die zahlreichen Kühe. An einem Pfahl, der unweit unserer verlassenen Station stand, wurde das Fell gescheuert, was das Zeug hielt … die ganze Nacht hindurch. Mitbekommen hätten wir das wahrscheinlich nicht, wäre da nicht die Glocke und dem damit verbundenen Bimmeln. Nahezu jeder Wiederkäuer in dieser Idylle trägt so ein Gerät um den Hals, was dem Outdoor Biker den Schlaf rauben kann. Die Viecher müssen definitiv taub sein, der Tierschutz ist mehr als fraglich und jede Form von hochalpiner Gemütlichkeit durch diesen Lärmterror gestört.

Der Sonnenaufgang hat aber so einiges entschädigt. In aller früh, in mitten der Berge, oberhalb der Baumgrenze, niemand weit und breit … das ist schon was besonderes und keine Pension kann etwas vergleichbares bieten. Anschließend ging es einen rampenartigen Schotterweg, quer über die grünen Skipisten auf 2.750m. Auf dem Weg passierten wir das erste Mini-Schneefeld, welches nicht wirklich unseren Weg blockierte. Angekommen an der kleinen Rotkogel Kapelle, wurde gefrühstückt. Bei herrlichem Blick auf das Ötztal und den Rettebach Gletscher … morgens um 8.30Uhr.

Nach einer kurzen Abfahrt und geschenkten Höhenmetern auf der mautplichtigen Gletscherstrasse, erreichten wir den Rettenbach. Die ersten Fahrzeuge trafen mit uns ein, aber vom Trubel des winterlichen Exzesses keine Spur. Eine kurze Pause am Fuße des Eisblocks wurde eingelegt, zur Aufnahme koffeinhaltiger Heißgetränke und Reinigung des Körpers. Weiter ging es durch den lang ansteigenden, dunklen und eisigen Tunnel. Unter dem Gletscher hindurch hielt der Verkehr sich in Grenzen, aber unwohl fühlt man sich schon. Auf dem Rad … in so einer Gefriertruhe in röhrenform bei spärlichem Licht.

Voll im Zeitplan erreichten wir den Tiefenbach Gletscher (2.879m), mit dem Ziel über Vent (1.900m) – die Martin Busch Hütte (2.500m) anzusteuern. Fast der komplette Tag stand uns noch zur Verfügung und so ließen wir, uebergluecklich unsere Blicke über den Panorama Trail streifen.

Der erste richtig anspruchsvolle Teil stand uns bevor. Wahrscheinlich ein wenig aufgeheizt, durch die vielen Aufstiege der letzten Tage, rollten wir geradezu durch die ersten Schwünge dieser Passage. Technisch fordernd aber umwerfen … im Wahrsten Sinne des Wortes. Sascha stieg an einer sehr tiefen, künstlich angelegen Rinne über den Lenker und zog sich Blessuren an Rippe und Knie zu. Dazu stellte sich heraus, dass der Trigger (Ab/Zughebel der Schaltung) abgebrochen war. Dort oben helfen meist nur zwei Dinge: Der Wille zum Improvisieren und ausreichend Kabelbinder.

In Anschluss ging es weitaus bedachter und gemächlicher zu, aber wir setzten unsere Tour, auf diesem landschaftlich artenberaubenden Wanderweg, entlang des Venter Tals fort. Viele Trage-und Schiebepassagen, teils riskante Steilhänge ließen uns nur langsam vorankommen. Ziemlich erschöpft, körperlich geschunden, nebst Materialschwund, kämpften wir uns nach Vent. Bei einem kleinem Imbiss erfuhren wir, dass auch noch die Busch Hütte total überfüllt war. Schnell wurde eine nahegelegene Pension ausgemacht, um diesen ereignisreichen Tag nach einer Dusche und zahlreich Pharmazeutika, in einem ordentlichen Bett zu beenden.

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